Visual persoenlich

Agenturnachfolge mit Groove

Interview mit Andy Ruf, Aloha Cierny und Andreas Aebischer

Die Nachfolgeregelung in einer Kommunikationsagentur ist nicht ganz trivial. Einerseits basieren Mandate vielfach auf persönlichen Beziehungen zur langjährigen Führungsriege, und der Vertrauenstransfer an die Nachfolgerin oder den Nachfolger ist essenziell. Andererseits sind unternehmerisch engagierte Mitarbeitende die Grundvoraussetzung, damit eine interne Übergabe gelingen kann.

Andy Ruf, du übergibst die Werbeagentur RUF ASW nach fast 35 Jahren in die Hände von zwei Mitarbeitenden. Wie fühlt sich das an?
Ausgezeichnet! Da meine Kinder noch zu jung für eine Übernahme sind, war eine agenturinterne Nachfolgelösung schon immer mein absolutes Wunschszenario. Wir haben sehr gezielt darauf hingearbeitet: Aloha Cierny und Andreas Aebischer denken sehr unternehmerisch und leiten das Tagesgeschäft und die meisten Mandate bereits seit Längerem erfolgreich. Die jetzige Übergabe ist also der logische und für mich sehr erfreuliche nächste Schritt.

Fällt dir ein Stein vom Herzen, dass die Übergabe in trockenen Tüchern ist?
Da ich die Führung der Agentur nie als Last empfunden habe, fallen auch keine Steine. Es überwiegt vielmehr die Freude! Wir haben im Grunde nur vollzogen, was wir von langer Hand geplant hatten. Ich bin enorm froh, dass wir diesen Schritt so reibungslos realisieren konnten und damit höchste Kontinuität sicherstellen. Das Wichtigste ist: Für unser Team und unsere Kunden ändert sich im Alltag kaum etwas, und alle fühlen sich mit dieser Lösung sehr wohl.

Wie lange hat der Übergabeprozess gedauert?
Die ersten Vorgespräche liegen schon einige Jahre zurück. Vor rund sechs Jahren haben wir dann begonnen, die Pläne zu konkretisieren. Durch die Pandemie mussten wir das Tempo zwar kurzzeitig etwas drosseln, aber sobald die Planungssicherheit zurück war, haben wir die Umsetzung konsequent vorangetrieben. Umso schöner ist es, dass wir diesen Prozess nun so erfolgreich abschliessen konnten.

Und was machst du jetzt, setzt du dich zur Ruhe?
Ganz zur Ruhe setze ich mich sicher nicht! Ich werde zwar etwas kürzertreten, bleibe dem Team aber bei strategischen Fragen und Spezialanliegen unserer langjährigen Kunden gerne als Sparringpartner erhalten. Darüber hinaus freue ich mich sehr darauf, meine Expertise auch in Zukunft einzubringen – sei es als Coach für Marketing und KI, als Verwaltungsrat oder als Keynote-Speaker. Es bleibt also spannend!

Andreas Aebischer und Aloha Cierny, wie fühlt ihr euch in dieser neuen Rolle als Agenturmitinhaber?
Andreas Aebischer: Es fühlt sich sehr natürlich an. Da wir die Agentur und unsere Kunden bereits seit Jahren kennen, fühlt es sich weniger wie ein Sprung ins kalte Wasser an, sondern eher wie der nächste logische Schritt auf einem Weg, den wir schon lange gemeinsam gehen. Die Vorfreude auf die Gestaltungsmöglichkeiten ist riesig.

Aloha Cierny: Es erfüllt mich mit grossem Stolz. Ich bin seit 2007 Teil dieser Agentur, und diesen Weg nun als Mitinhaberin weiterzugehen, bedeutet mir enorm viel. Gleichzeitig freue ich mich sehr darauf, eigene Ideen noch konsequenter umzusetzen und die Agentur aktiv mitzugestalten. Es ist eine schöne Mischung aus Dankbarkeit für das Bestehende und viel Energie für alles, was kommt.

Was hat euch motiviert, diesen Schritt zu wagen?
Andreas Aebischer: Das Vertrauen in das bestehende Fundament. Wir wissen, was wir aneinander und am Team haben. In einer Branche, die sich ständig wandelt, ist diese Kontinuität, gepaart mit frischem unternehmerischem Geist, die beste Motivation.

Aloha Cierny: Ganz einfach: die Möglichkeit, die Geschichte weiterzuschreiben. Es fühlt sich gut und stimmig an, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft der Agentur aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig harmonisieren und ergänzen wir uns als Duo perfekt.

Wer von euch übernimmt welche Verantwortungsbereiche – und weshalb?
Andreas Aebischer: Wir ergänzen uns ideal. Abgesehen von meiner beratenden Tätigkeit gegenüber unseren Kunden werde ich mich verstärkt um die strategische Ausrichtung, die Finanzen und die operativen Prozesse kümmern. Mein Fokus liegt darauf, dass die Agentur als Ganzes stabil und agil bleibt.

Aloha Cierny: Mein Schwerpunkt liegt im Eventbereich und in der Entwicklung von Ideen. Es begeistert mich, die Bedürfnisse unserer Auftraggeber herauszuspüren und daraus kreative, massgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Für mich endet die Arbeit nicht beim Fertigstellen des Konzepts, sondern ich begleite die Projekte persönlich bis zur Umsetzung und sorge dafür, dass aus einer Idee ein stimmiges Erlebnis wird. Genau dieser Weg vom ersten Gespräch bis zum erfolgreichen Moment live begeistert mich immer wieder.

Hattet ihr schon die ersten «mulmigen Momente»?
Andreas Aebischer: Mulmig vielleicht nicht, aber es gibt Momente des Respekts. Wenn man realisiert, dass nun jede Entscheidung direkt die eigene unternehmerische Handschrift trägt, schärft das den Fokus enorm. Es ist jedoch auch hilfreich, eine neutrale, externe Anlaufstelle hinzuzuziehen, die den ganzen Prozess unterstützt, sei es als direkte Ansprechperson oder zur Klärung offener Fragen.

Aloha Cierny: Für mich sind es eher Momente der gesunden Anspannung. Mit der zusätzlichen Verantwortung schaut man noch genauer hin, denkt noch einen Schritt weiter. Aber genau das motiviert mich. Und sobald wir als Team zusammensitzen und Ideen entstehen, ist da vor allem eines spürbar: Begeisterung und Vorfreude.

Zeitgleich mit der Übernahme wechselt auch der Agenturname zu groove asw. Wessen Idee war das?
Andreas Aebischer: Das war ein Prozess, den wir schon vor mehreren Jahren im Hinblick auf die Übernahme angestossen haben. Die Namensänderung war von langer Hand geplant, um den Neuanfang auch optisch und akustisch zu markieren. Wir wollten einen Namen, der Energie, Rhythmus und ein positives Lebensgefühl vermittelt – genau das, was wir in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden leben möchten.

Aloha Cierny: Die Namensfindung war ein gemeinsames Projekt, an dem das ganze Team beteiligt war: «groove» steht für das Zusammenspiel verschiedener Elemente, die perfekt harmonieren. Es passt zu unserer Arbeitsweise – unkompliziert, schwungvoll und zielgerichtet. Dass wir das Kürzel «asw» als Qualitätsversprechen und Zeichen unserer Herkunft im Namen behalten, war uns dabei enorm wichtig. Es schlägt die Brücke zwischen unserer 35-jährigen Geschichte und unserer dynamischen Zukunft.


Frühere Publikationen

Zwischen Kamor und Kronberg

Interview im «Persönlich» Ausgabe Dezember 2025 [PDF] mit Michael Koller

Agenturen auf dem Prüfstand

Interview im «Persönlich» Ausgabe September 2025 [PDF] mit Roger Wermelinger

Barrierefreiheit im Web

Beitrag im «Persönlich» Ausgabe Mai 2025 [PDF] von Claude Hitz

Zwischen Algorithmus und Emotion: Warum echte Kreativität nicht digitalisiert werden kann.

Beitrag im «Persönlich» Ausgabe April 2025 [PDF] von Andy Ruf

Die Zukunft gehört der Vernetzung

Interview im «Persönlich» Ausgabe Juni 2024 [PDF] mit Fachwerk Advertising